Verfahrensfrei oder anzeigepflichtig
Maßgeblich ist § 60 Absatz 3 der Bauordnung des Landes Sachsen-Anhalt (BauO LSA). Verfahrensfrei ist danach die Beseitigung von Anlagen, die schon ohne Verfahren errichtet werden dürfen, von freistehenden Gebäuden der Gebäudeklassen 1 und 3 und von sonstigen Anlagen, die keine Gebäude sind, bis 10 m Höhe. Verfahrensfrei heißt: Die Bauaufsicht muss nicht beteiligt werden.
Für alle übrigen Fälle gilt die Anzeigepflicht. Die beabsichtigte Beseitigung ist mindestens einen Monat vor Beginn der unteren Bauaufsichtsbehörde anzuzeigen, im Landkreis Harz ist das der Landkreis selbst. Unternimmt die Behörde innerhalb dieses Monats nichts, darf mit dem Abbruch begonnen werden.
Rechnen Sie diesen Monat von Anfang an in den Zeitplan ein. Wer im Frühjahr abreißen und im Sommer neu bauen will, reicht die Anzeige nicht erst ein, wenn der Container schon bestellt ist. Welche Unterlagen beiliegen müssen, erfahren Sie bei der Bauaufsicht des Landkreises.
Wichtig ist die Grenze dieser Regel: Auch ein verfahrensfreier Abriss muss alle übrigen Vorschriften einhalten. Denkmalschutz, Schadstoffe und die geordnete Entsorgung bleiben Themen, die vorher geklärt werden müssen.
Gebäudeklassen verständlich erklärt
Die Gebäudeklasse richtet sich nach Höhe, Lage und Größe eines Gebäudes. Als Höhe zählt dabei nicht der First, sondern der Fußboden des obersten Geschosses über dem Gelände. Für die Klassen 1 und 3 darf dieser Fußboden höchstens 7 m hoch liegen.
Zur Gebäudeklasse 1 gehören freistehende Gebäude bis 7 m Höhe mit nicht mehr als zwei Nutzungseinheiten, die zusammen höchstens 400 m² groß sind. Ebenfalls in Klasse 1 fallen freistehende Gebäude, die land- oder forstwirtschaftlich genutzt werden. Ein eingeschossiges Wohnhaus allein auf seinem Grundstück kann also ebenso darunter fallen wie eine genutzte Feldscheune.
Gebäudeklasse 3 umfasst alle sonstigen Gebäude bis 7 m Höhe, also auch solche mit mehr Nutzungseinheiten oder mehr Fläche. Für den verfahrensfreien Abriss müssen aber auch sie freistehen. Wer sich bei der Einordnung nicht sicher ist, fragt vorher bei der Bauaufsicht nach.
Angebaute Gebäude und der Tragwerksplaner
In vielen Ortslagen im Harz stehen Häuser Wand an Wand. Scheunen sind an Wohnhäuser angesetzt, Ställe teilen sich eine Giebelwand mit dem Nachbarhof. Solche Gebäude sind nicht freistehend, ihr Abriss fällt damit in der Regel unter die Anzeigepflicht.
Dazu kommt eine zweite Pflicht: Ein qualifizierter Tragwerksplaner muss die Standsicherheit der angrenzenden Gebäude beurteilen und im erforderlichen Umfang nachweisen. Wo es nötig ist, überwacht er auch den Abbruch. Bei altem Fachwerk ist von außen oft nicht zu erkennen, welche Balken und Wände das Nachbarhaus mittragen.
Halten Sie den Zustand der Nachbarwand vor Beginn mit Fotos fest. So lässt sich später sachlich klären, ob ein Riss neu ist oder schon vorher da war.
Denkmalschutz und Hausanschlüsse
Ist ein Gebäude ein Kulturdenkmal, braucht seine Veränderung und erst recht seine Beseitigung eine Genehmigung der unteren Denkmalschutzbehörde. Das folgt aus dem Denkmalschutzgesetz Sachsen-Anhalt und gilt neben dem Baurecht. In Quedlinburg, dessen Stiftskirche, Schloss und Altstadt seit 1994 zum UNESCO-Welterbe gehören, liegt die Frage besonders nahe, aber auch in anderen Orten im Harz stehen geschützte Fachwerkbauten.
Vor jedem Abriss müssen außerdem die Hausanschlüsse abgemeldet oder getrennt werden: Strom, Gas, Wasser, Abwasser und Telekommunikation. Zuständig ist jeweils der Versorger, der dafür eigene Termine vergibt. Planen Sie diesen Vorlauf ein, damit der Abbruch nicht wegen einer noch angeschlossenen Leitung warten muss.
Schadstoffe vor dem Abbruch erkennen
Asbest ist in Deutschland seit 1993 verboten, steckt aber in vielen älteren Gebäuden. Typisch sind Asbestzement-Wellplatten auf Schuppen, Lauben und Garagen, außerdem Fassadenplatten, Floor-Flex-Bodenplatten und alte Nachtspeicheröfen. Solche Bauteile sprechen wir bei der Besichtigung an; ausgebaut werden sie nur von Betrieben mit Sachkunde nach TRGS 519.
Mineralwolle, die vor 2000 eingebaut wurde, gilt als möglicherweise krebserzeugend und wird getrennt und staubdicht verpackt entsorgt. Teerhaltige Dachpappe, wie sie auf alten Garagen und Nebengebäuden zu finden ist, zählt zum gefährlichen Abfall.
Klären Sie diese Punkte vor Beginn des Abbruchs. Ist belastetes Material erst mit dem übrigen Schutt vermischt, lässt es sich kaum noch sauber trennen.
Nachbarn rechtzeitig informieren
Ein Abriss bringt Lärm, Staub und schwere Fahrzeuge in die Straße. In engen Gassen mit Kopfsteinpflaster steht der Container oft direkt vor dem Nachbarhaus, und die Zufahrt ist zeitweise eingeschränkt.
Sagen Sie den Nachbarn vorher, wann es losgeht, wo Container und Bagger stehen und wen sie bei Fragen erreichen. Bei angebauten Häusern gehört die Frage dazu, wie die freigelegte Wand danach gegen Wetter geschützt wird. Ein offenes Gespräch vorab erspart beiden Seiten viel Ärger.
Klären Sie auch, wo Mobilbagger, Radlader und Absetzkipper durchkommen. Passt der Container nicht auf den eigenen Hof und muss auf die Straße, den Gehweg oder einen Parkstreifen, ist dafür eine Sondernutzungserlaubnis der Stadt oder Gemeinde nötig. An Hanglagen und in schmalen Durchfahrten sehen wir uns die Zufahrt deshalb vorher gemeinsam an.
Typische Fälle aus dem Harz
Eine freistehende Gartenlaube ist in aller Regel verfahrensfrei. Sehen Sie sich aber das Dach an, denn graue Wellplatten können auf Asbestzement hindeuten. Wie ein solcher Rückbau abläuft, zeigt unser Projekt Gartenhaus bis auf die Bodenplatte.
Bei der Garage kommt es auf die Lage an. Steht sie frei, ist der Abriss meist verfahrensfrei; ist sie an das Wohnhaus angebaut oder Teil einer Garagenreihe, klären Sie vorher mit der Bauaufsicht, ob eine Anzeige und ein Tragwerksplaner nötig sind.
Die Scheune auf einem alten Hof steht mal frei, mal hängt sie am Wohnhaus oder am Stall. Freistehend und land- oder forstwirtschaftlich genutzt gehört sie zur Gebäudeklasse 1, angebaut muss ihr Abriss angezeigt werden. Ein Beispiel aus unserer Arbeit ist der Rückbau einer Fachwerkscheune.
Viel Vorbereitung braucht das angebaute Fachwerkhaus in der Ortslage: Anzeige beim Landkreis, Tragwerksplaner, oft eine Anfrage bei der Denkmalschutzbehörde und wenig Platz für Maschinen. Wie ein Fachwerkhaus in enger Ortslage Schritt für Schritt abgebrochen wird, zeigt unser Projekt in Groß Quenstedt: Entkernung über eine Schuttrutsche, Dachabtrag, dann Abbruch mit dem Bagger.
Welche dieser Schritte bei Ihrem Gebäude anstehen, sehen wir bei der Besichtigung vor Ort. Was wir beim Abbruch übernehmen, von der Entkernung bis zur beräumten Fläche, beschreibt die Seite Abriss und Rückbau.
Checkliste
Vor dem Abriss klären
- Steht das Gebäude frei oder ist es angebaut?
- Gebäudeklasse bestimmen, im Zweifel bei der Bauaufsicht nachfragen
- Bei Anzeigepflicht: mindestens einen Monat vor Beginn beim Landkreis anzeigen
- Bei angebauten Gebäuden einen qualifizierten Tragwerksplaner einbinden
- Denkmalstatus bei der unteren Denkmalschutzbehörde erfragen
- Strom, Gas, Wasser, Abwasser und Telekommunikation abmelden oder trennen lassen
- Verdacht auf Asbest, alte Mineralwolle oder Teerpappe vorab klären
- Nachbarn über Termin, Containerstandort und Ansprechpartner informieren
- Zustand angrenzender Wände mit Fotos dokumentieren
- Angebot kostenlos
- Besichtigung vor Ort
- Mit fachgerechter Entsorgung
Quellen
- Salzlandkreis, Bürgerservice: Beseitigung von Anlagen anzeigen
- Stadt Halle, Serviceportal: Beseitigung einer Anlage anzeigen
Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist die Auskunft der zuständigen Behörde.